Fleischmaschinen

Montag. Das Wochenende wie immer viel zu kurz. Die vergangene Arbeitswoche steckte ihr immer noch in den Knochen, als sie sich zum schrillen digitalen Kreischen ihres Küchendruckers aus dem Bett quälte. Barfuß stapfte sie durch ihre winzige Condo und kratzte sich an den kurz geschorenen Haaren. Sie waren schon wieder gewachsen; in ihrer nächsten Ruhephase würde sie sie schneiden lassen müssen, was weitere Freizeit kosten würde. Abwesend strichen ihre Finger über die leichte Schwellung in ihrem Nacken, wo ihr GNAT seinen Stachel ansetzte.

Sie bestätigte, dass sie wach war, indem sie auf den abgewetzten Taster am Küchendrucker drückte. Dann entnahm sie dem Ausgabefach die beiden Aluminiumdosen, die dort wie jeden Montag für sie bereit lagen. Die eine enthielt das ihr zugeordnete Frühstück, eine geschmacklose, viskose Brühe, der alle lebensnotwendigen Nährstoffe beigesetzt waren, die andere war das Coding-Pheromon für ihr GNAT. Sie öffnete ihre Dose und nahm einen Schluck, spürte ihn zähflüssig und kühl die Kehle hinunter fließen. Die Coding-Pheromone rochen heute nach Himbeeren und frischem Chilipulver, als sie sie in die Ladestation ihres GNAT goss.

Arbeit wurde erträglich, wenn man sie nicht ertragen musste. Sie war eine unumstößliche Facette des Lebens, irgendwie musste man für die Annehmlichkeiten des Wochenendes und die Condo, die man in den überbevölkerten Städten bewohnte, bezahlen. Nichts war umsonst, alles ließ sich beziffern in harten Zahlen. Und menschliche Arbeit war billig, billiger als Maschinen, die dann wiederum jemand bauen, programmieren und reparieren musste. Menschliche Arbeitskräfte waren außerdem flexibler, sie konnten sich an fast alle Arbeitsbedingungen anpassen. Und die GNATs besorgten diese Anpassung, während die Arbeiter mental durch eine Halluzinationen wandelten, ausgesperrt aus ihrer eigenen körperlichen Wahrnehmung, bis die Coding-Pheromone dem GNAT befahlen, die Kontrolle über den Menschen zu beenden.

In den Geschichtsbüchern konnte man nachlesen, wie die Welt vor den GNATs gewesen war. Als Adoleszente sich selbst für einen Beruf entscheiden sollten, den sie dann ein Leben lang auszuüben hatten, in einem Alter, in dem sie die Implikationen einer solchen Entscheidung noch gar nicht überblicken konnten. Das hatte zu Unzufriedenheit und in Folge daraus zu Einbußen in der Produktivität geführt. Eine gesunde und global konkurrenzfähige Wirtschaft war nur zu führen, wenn jeder seinen Teil beitrug und niemand totes Kapital war.

Sie ging in die Dusche, wobei sie den Wasserzähler im Auge behielt, der ihr mit dem orangeroten Glühen seiner Nixieröhren den Verbrauch anzeigte. Sie durfte heute nur zehn Liter benutzen, ohne dass sie Aufpreis zahlen musste, weil die Condo wusste, dass sie in einer halben Stunde zur Arbeit aufbrechen würde. Während sie ihren Körper einseifte und ein ätherisches Öl in die Schwellung im Nacken einmassierte, rief sie die aktuellen Nachrichten ab. Die Kriege im Nahen Osten spitzten sich zu, weil die Scheichs dem Westen Zugang zum letzten Öl verweigerten. Für sie hieß das, dass es vermutlich in die Munitionsfabrik ging. Das war gut; die Arbeit war zwar hart, wurde aber mit dem anderthalbfachen des üblichen Lohns vergolten, da es den Kriegsbemühungen diente. Frauen waren in diesen Stellen besonders gefragt, weil sie leichter mit den Händen in schmale Zwischenräume der schweren Panzer und Flugzeuge kamen und dort problemlos stundenlang Nieten in den Stahl schlagen konnten.

Die Ladestation ihres GNATs meldete sich mit dem schrillen Läuten einer metallenen Glocke. Schnell spülte sie die letzten Flocken des geruchsneutralen Schaums aus ihren Stoppelhaaren, griff nach einem Handtuch und rubbelte sich trocken. Als sie in die Küche kam, war das GNAT bereits aus dem Kokon geschlüpft und starrte sie aus ausdruckslosen Facettenaugen an. Der Spitzname des GNATs kam nicht von ungefähr, es ähnelte einer riesigen Mücke, der jemand die Flügel entfernt und zwei zusätzliche Beinpaare an den Rumpf geklebt hatte. Sie hatte keine Ahnung, ob es ein Lebewesen war oder eine Maschine, das war aber auch unerheblich. Es würde ihr einen fünftägigen Traum bescheren, währenddessen ihr Körper in der Fabrik die harte Arbeit des Rümpfenietens übernahm.

Das GNAT legte sich mit seinem langen, schlanken Körper auf ihre Wirbelsäule, wand das Ende seines Abdomens zwischen ihre Schenkel und seine zehn Beine um ihren Rumpf und die Taille. Sie beeilte sich, ihre Arbeitskluft überzuziehen, weiße Unterwäsche aus grober Baumwolle und einen stabilen blauen Overall. Dann bestätigte sie an der Ladestation den Alarm.

Der Stich war kaum zu spüren. Sanft und mit gewohnter Routine führte das GNAT seine Mundwerkzeuge in ihre Halswirbelsäule ein, durchstach die Bandscheiben und leckte an ihrem Liquor. Sie konnte die Zunge auf den Nerven ihres Rückenmarks spüren; die feinen Härchen in ihrem Nacken richteten sich, einem uralten Reflex folgend, auf. Klebriges Sedativ, vom Rüssel des GNATs ausgespuckt, legte sich auf die Nervenverbindungen. Sie ließ es geschehen, ließ zu, dass ihr die Kontrolle über den Körper entglitt.

Sie ließ sich fallen, bis ihr Bewusstsein in den warmen Ozean einer Südseeinsel eintauchte, die es nur in ihrer Einbildung gab. Bunte Fische tobten durch ein Korallenriff, das in leuchtenden Farben um ihre Bewunderung buhlte. Sie schwamm tiefer, und dann entdeckte sie die junge Frau, die sie schon in der vergangenen Woche getroffen hatte. Sie wusste nicht, ob ihre schöne Liebhaberin wirklich existierte oder auch nur Teil ihrer Einbildung war. Aber diese Woche würde wunderbar werden.


Sie seufzte, als das GNAT seinen Stachel aus ihrem Rücken zog, aber sofort stellte sich das Gefühl bisher ungekannter Schmerzen ein. Ihre Haut fühlte sich an als stünde sie in Flammen, und auf den Beinen lasteten tonnenschwere Gewichte. Als sie versuchte, sich auf den Rücken zu drehen, griffen beherzt kühle Hände in klebrigen Einmalhandschuhen nach Arm und Schulter und halfen ihr.

Sie musste sich zwingen, die Augen zu öffnen. Der Geruch nach Desinfektionsmittel bohrte sich scharf in ihre Nase und ließ ihre Augen tränen. Sie wandte den Kopf zu den beiden Frauen, die an ihrem Bett standen, die eine Ärztin mittleren Alters, die andere junge Pflegerin in perfekt gemangeltem und kaum etwas verhüllendem Leinenkittel. Die Ärztin schenkte ihr keine Beachtung, während ihr Füllfederhalter über die Papiere auf dem Klemmbrett kratzte, und die Schwester lächelte sie höflich aber irgendwie entrückt an.

„Wo bin ich?“, fragte sie schließlich, nachdem sich niemand um sie zu kümmern scheinen wollte.

„Klinik 16“, antwortete die Ärztin ohne aufzublicken. „Sie lagen vier Monate im Koma.“

„Vier Monate. Dann ist mittlerweile…“ Sie unterbrach sich und rechnete im Kopf nach, erwartete fast eine Antwort, aber die einzigen Geräusche waren das fortgesetzte Kratzen und das hochfrequente Summen der Starkstromtransformatoren in den Röhrenrechnern an ihrem Bett. „Was ist passiert?“

„Die Pan-Asiatische Kapitalismus-Tangente PACT hat Ihre Formation mit Pheromonraketen beschossen und alle GNATs umgeschrieben. Sie waren die einzige Überlebende. Sofern man davon nach einem mehrtägigen Aufenthalt im Radioaktiven Meer von Novosibirsk überhaupt noch reden kann.“

„Novosibirsk?“, fragte sie verwirrt. „Da muss ein Fehler vorliegen. Ich habe in einer Munitionsfabrik in Gorod 21 gearbeitet. In meiner Heimatstadt.“

Die Ärztin blickte sie das erste Mal direkt an, ehe sie sagte: „Großrechner machen keine Fehler.“ Sie schloss die Kappe ihres Füllfederhalters. „Ihre Behandlung ist mit dem Ende Ihres Komas abgeschlossen. Zu mehr sind wir gesetzlich nicht verpflichtet.“

„Dann kann ich gehen?“

„Gehen?“, wiederholte die Ärztin, und ihr Gesichtsausdruck lag irgendwo zwischen Mitleid und Abscheu. „Wohl kaum. Sie haben große Teile Ihrer Epidermis und beide Beine verloren.“

„Ich dachte, meine Behandlung ist abgeschlossen!“ Sie spürte Tränen. „Ich bin versichert, ich habe Anspruch auf Prothesen und Rehabilitation!“

„Die Versicherung ist ausgelaufen, als Ihnen gekündigt wurde, danach wurde Ihr Besitz gepfändet, um die Kosten zu decken. Mit der darauffolgenden Betreuung hier im Haus haben Sie die Sozialgemeinschaft belastet. Diese gesellschaftliche Schuld werden Sie wohl kaum jemals zurückzahlen können.“

Sie kannte die Gestrandeten in den Gassen und Hinterhöfen, Menschen mit verhärmten Gesichtern, Haut und Kleidung so staubgrau wie der Beton der Stadt, die sie langsam auffraß. Eine Endstation, nach der nur noch die Verwertung folgte, erst das Ausweiden brauchbarer Körperteile und Organe, dann die Verwertung zu Lebensmitteln. Der letzte Dienst an der Gesellschaft, die sie alle vor PACT, der Afrikanischen Wirtschaftsallianz oder dem Konglomerat Antarctica schützte.

„Wenn Sie mir neue Beine geben, kann ich ein neues GNAT beantragen und meine Schulden bei der Sozialgemeinschaft abzahlen“, sagte sie flehentlich. Sie hasste es, betteln zu müssen, weil es Schwäche bedeutete. Wer schwach war, taugte nicht, das System zu tragen.

„Die Regeln des Staats lassen da keinen Spielraum zu“, erwiderte die Ärztin kalt. Dann musterte sie sie, wohl um abzuschätzen, wie entschlossen sie war, was sie zu opfern gewillt war, um ihren Körper wiederherzustellen. „Es gibt aber vielleicht eine Möglichkeit, Ihre Schulden von einem privaten Investor übernehmen zu lassen.“

Sie schloss die Augen. „Was habe ich einem privaten Investor schon zu bieten?“

„Einen jungen Körper, der an den gefragten Stellen keinen Schaden genommen hat, und ein hübsches Gesicht. Wenn Sie gewillt sind, Ihre Unabhängigkeit für eine Weile aufzugeben, können Sie daraus Kapital schlagen. Ich kann Ihnen einen Kontrakt besorgen und werde Sie dann operieren.“

„Und eine Love Doll aus mir machen“, sagte sie leise.

Die Ärztin zuckte gleichgültig die Schultern. „Die Entscheidung liegt bei Ihnen. Aber zur Sperrstunde werden Sie entlassen. Das Krankenhaus braucht Ihr Bett für zahlungsfähige Patienten.“

Sie wischte sich über die Augen und atmete tief ein. Sie wusste, dass es keine Entscheidung war. Die Gesellschaft erwartete, dass sie ihren Teil beitrug, wenn sie leben wollte. Sie erlaubte sich einen Augenblick der Schwäche und schniefte. Dann nickte sie. „Besorgen Sie den Kontrakt.“

Die Ärztin nickte knapp, dann klappte sie das Klemmbrett zu und wandte sich ab, um den Raum zu verlassen. Sie richtete ihren Blick auf die Rigips-Platten, aus denen die Decke ihres Zimmers gefügt war, und atmete aus, aber die unsichtbare Faust, die ihre Brust umklammert hielt, ließ sich nicht abschütteln.

„Kopf hoch“, sagte die Schwester, „das wird schon wieder.“

Sie wandte ihr den Blick zu und wollte etwas erwidern, aber die junge Frau lächelte nur weiter ihr normiertes Staatslächeln und wandte sich dann ab. Sie sah das GNAT unter ihrem viel zu kurzen Kleidchen, den Kopf mit dem Stachel knapp unterhalb ihrer Schädelbasis. Das GNAT schien zu saugen, wie GNATs das immer taten, und zum ersten Mal verursachte der Anblick Ekel und Abscheu in ihr.

Briefe an Minako (6)

Tokyo, den 13. März 2012

Liebe Minako,

bitte entschuldige, dass ich gestern keine Zeit gefunden habe, dir einen Brief nach Hause zu senden. Der gestrige Tag war sehr anstrengend, und Herrin muss sich etwas überanstrengt haben, denn sie klage den ganzen Abend über Kopfschmerzen und Unwohlsein und schlief in der Nacht sehr unruhig. Der heutige Tag war dann angefüllt mit einer letzten Shopping-Tour, von der ich dir allerdings keine Fotos zeigen kann. Ich bin mir sicher, dass dich die immer gleichen Straßenzüge in Ginza, Akihabara und Shinjuku ohnehin langsam langweilen.

Vom gestrigen Tag jedoch will ich dir gerne berichten. Auch wenn wir vor zwei Tagen den Fujisan vom Riesenrad aus sehen konnten, so sind wir dennoch nicht dorthin gefahren. Zum einen liegt der Berg gute 200 Kilometer von Tokyo entfernt und ist damit in realistischer Zeit nur mit dem Schnellzug oder dem Auto zu erreichen, zum anderen darf man auf dem Berg normalerweise nicht wandern, da er für den Publikumsverkehr gesperrt ist.

Stattdessen sind wir in aller Früh mit der Chuo Line nach Mitake aufgebrochen, um rund um den Mitakesan zu wandern.

Um diese Uhrzeit ist in Daimon immer viel Betrieb – hier der Blick von der Bahnstation Hamamatsucho in Richtung Tokyo Tower und Zojoji Shrine.

Zu bestimmten Zeiten sind komplette Waggons auf der Chuo Line für Frauen reserviert, weil es immer wieder zu Belästigungen kam.

Die Fahrt nach Mitake dauert gut und gerne anderthalb bis zwei Stunden, und man fährt tunlichst nicht in der Rush Hour, damit man nicht die ganze Zeit stehen muss. Über die gesamte Strecke hinweg gibt es nur sehr wenige Punkte, wo die Region um die Bahnlinie nicht besiedelt ist, und das Land ist unglaublich flach. Das letzte Stück fährt die Chuo Line nicht mit 11 Waggons, sondern „nur“ mit vier Wagen.

Von der gewaltigen Tokyo Station mit ihren beinahe 30 Gleisen bleibt in Mitake nur noch eine eingleisige Strecke übrig.

Mitake selber ist eine winzige Siedlung am Fuße des Mitakesan. Der Berg ist ungefähr 930 Meter hoch, und auf seiner Spitze gibt es einen Schrein, eine noch viel winzigere Ansammlung von Häusern, einen Steingarten, mehrere Wasserfall-Kaskaden und sehr viel Nichts.

Die Landschaft ist traumhaft. An der Palme siehst du, dass wir hier ungefähr auf der Höhe von Italien oder Spanien sind. Barbara-sama würde es hier sicher gut gefallen.

Eine Standseilbahn überbrückt den steilsten Streckenabschnitt, aber von der Mitake Station bis zur Talstation dieser Seilbahn sind es etwa zwei Kilometer. Für Japaner und Touristen (derer es scheinbar nicht so viele gibt) verkehrt zwischen diesen Stationen ein Bus. Herrin und ihr Begleiter sind die Strecke aber natürlich zu Fuß gegangen und wurden dafür mit wunderschönen Landschaften belohnt.

Der Fluss unter dieser Brücke führt vom Staudamm zu einem Wasserkraftwerk.

Der ruhigere Wanderweg führt über diese Brücke – der Bus muss natürlich der Hauptstraße folgen.

Große Teile des Weges führen an der Straße entlang – woran man sieht, dass es nicht viele Deppen gibt, die diesen Weg zu Fuß bewältigen.

Abseits der Straße gibt es aber immer wieder schöne, ruhige Nischen zum Durchatmen, denn die Straße hat hier eine Steigung von 15%.

Der Fluss ist ein ständiger Begleiter den Berg hinauf. Er verläuft beiderseits der Straße, aber es gibt auch trocken gefallene Zuflüsse.

Nach ungefähr zwei Stunden Kletterei wie die Gemsen erreichten wir die Bergstation. Die Standseilbahn braucht ungefähr sechs Minuten für die Fahrt. Es gibt zwei Wagen, die über ein Seil verbunden sind. Fährt der eine hinauf, muss der andere herunter fahren. Darum ist die Strecke in der Mitte zweigleisig, sodass die Wagen aneinander vorbei können.

Ganz schön steil. Hoffentlich hält das Seil!

Der Ausblick entschädigt für jede Mühen. Bei diesem Wetter kann man in der Ferne sogar die Wolkenkratzer von Tokyo erkennen!

Ein Torii kündet davon, dass wir uns wieder einem Schrein nähern.

Die Hänge sind bewaldet, und von der Mitake Station aus kann man sehen, dass hier Holzschlag betrieben wird.

Dieses alte Haus steht auf dem Weg zum Gipfel am Wegesrand.

Entlang dem Weg zum Gipfel hat die Touristik-Behörde diese hübschen, laminierten Nachschlagewerke aufgestellt, in denen man die Vögel der Region nachschlagen kann.

Vielleicht 20 Meter unterhalb des Gipfels gibt es eine winzige Siedlung mit einer klitzekleinen Einkaufspassage – sofern die vier Geschäfte diesen Namen überhaupt verdienen. Diese Siedlung ist auch der Grund, wieso alle Wege asphaltiert sind: Nur so kommen die Lastwagen und Motorroller den Berg hinauf und nur so lässt sich der Schnee, der hier immer noch liegt, problemlos räumen.

Direkt hinter der Siedlung liegt der Zugang zum Schrein mit dem Reinigungsbrunnen und dem Torii.

Ja, hier oben, auf 900 Metern Höhe gibt es noch Schnee! Dieser Schneeball hier ist für Herrin reserviert, damit sie nicht noch mehr Geld ausgibt.

Der Schnee war dann letztendlich auch der Grund, wieso wir nicht zum Steingarten und zu den Wasserfällen gelangen konnten. Hier sind die Wege nicht geräumt, und über einer dünnen Schlammschicht machte sich eine tückische Schicht aus Schnee und Eis breit. Es wäre einfach zu gefährlich gewesen, hier oben weiter zu gehen und sich möglicherweise fernab jeder Zivilisation zu verletzen!

Liebe Minako, ich muss an dieser Stelle leider unterbrechen – Japan wird gerade von einem Erdbeben getroffen! Für die nördlichen Küstengebiete wurde eine Tsunami-Warnung ausgerufen. Wir beobachten die Situation im Fernsehen; es scheint sich hier im Süden aber nur um einen kleinen Rumpler mit Mag 3 gehandelt zu haben. Ich halte dich auf jeden Fall auf dem Laufenden, ich denke aber, dass die Nacht ruhig bleibt und dass wir morgen früh wie vorgesehen in Narita starten werden. Ich freue mich schon auf daheim.

In Liebe
Umeko


Nachtrag, 16. März: Es gab an dem Abend zwei Erdbeben, eines mit Mag 6.4 vor Hokkaido und anschließender Tsunami-Warnung, eines mit Mag 6.1 knapp vor der Tokyoter Bucht. Im Hotel kam von letzterem noch etwa Mag 3 an; wir wurden an dem Abend also wirklich ein wenig durchgeschüttelt. Größere Schäden oder gar Feuer gab es aber glücklicherweise nicht, sodass schon kurz danach die Infrastruktur wieder lief. Die Nachbeben in der Nacht mit Mag 4 haben wir dann auch gar nicht mehr gespürt und sind am Folgetag problemlos in Narita gestartet.

Briefe an Minako (5)

Tokyo, den 12. März 2012

Minako! Herrin ist vollkommen übergeschnappt! Du glaubst nicht, was sie heute umgetrieben hat! Die Göttin stehe uns bei! Sie… Nein, halt.

Bitte entschuldige, dass ich für einen Augenblick mein Decorum vergessen habe. Gib mir bitte einige Augenblicke, um durchzuatmen, und ich werde dir der Reihe nach berichten, was heute alles vorgefallen ist.

Unser Tag begann mit strahlendem Sonnenschein, und bis zur Dämmerung am Abend sollte uns klarer, blauer Himmel bei unseren kurzen Ausflügen begleiten. Aus diesem Grunde führte uns unsere erste Fahrt zunächst mit der Yamanote zur Tokyo Station und von dort weiter mit der Keiyo Line bis Kasai-rinkaikoen. Hier gibt es direkt an der Bucht einen kleinen Park namens Kansai Rinkai Park, den man in den 60ern angelegt hat, um die letzten Reste unberührter Küste in der Bucht zu erhalten.

Auf dem Bild ist es nicht zu sehen, aber es war so klar, dass wir von der Aussichtsplattform im Park die Gebirgslinie mit dem Fuji-san sehen konnten.

Wilde Katzen leben in dem Park, der mit kleinen Sportanlagen und einem Thermalbad für die Bevölkerung des nahen Stadtteils aufwartet. Am Strand selber fanden Bauarbeiten statt, um die Fahrrinnen vor dem Versanden zu schützen. Auch hier sind große Teile des Landes künstlich mithilfe von gomi angelegt worden.

Außerdem gibt es ein 111 Meter durchmessendes Riesenrad, das bei dieser Witterung einen großartigen Überblick über das Land bietet.

Die Station der JR East liegt zwischen den Fahrspuren des Express Highways und zwischen Kansai und dem Park.

Folgt man der Bahnlinie mit dem Blick nach Westen, sieht man, dass die Stadt keine zwei Kilometer entfernt ist.

Japaner lieben das Golfspielen. In Tokyo gibt es aber nur Platz für diese Anlagen, in denen viele Golfer gleichzeitig ihren Abschlag üben können.

Im Osten liegt das Meeresaquarium und dahinter, nahe Maihama, das Tokyo Disney Resort. Vom Bahnhof aus kann man die riesigen Hotelkomplexe und das Schloss im Magical Kingdom erkennen.

Über diese Brücke verkehrt die Keiyo Line und verbindet Kasai mit der Innenstadt.

Sobald der Boden uns wieder hatte, setzten wir unseren Fußweg durch den Park fort und kamen schließlich, nach zwei Stunden, wieder an der Bahnstation an. Nach einer kurzen Stärkung aus den unzähligen Automaten, die in Tokyo wirklich an jeder Straßenecke zu finden sind, ging es zurück nach Akihabara, um den zweiten großen Shopping-Tag zu beginnen. Dem schönen Wetter angemessen, herrschte in den Straßen von Electronic Town geschäftiges Treiben, und neben den Anpreisern der Maiden Cafés trieben sich auch vereinzelt Gothic Lolitas in den Straßen herum.

Leider besteht in den meisten Geschäften in Akihabara Fotografier-Verbot, und so kann ich dich auch nicht mit Bildern aus der Dollfie Dreams-Ausstellung versorgen, die wir in einem gut versteckten Ladenlokal entdeckten. Leider dienten die Räume tatsächlich nur der Ausstellung, und es gab nur einige wenige Ersatzteile und Kleidungsstücke. Mehr Zeit vorausgesetzt, hätte Herrin sicher eine Volks SD oder MSD vorbestellen können – aber das setzt nun einmal eine gewisse finanzielle Bonität voraus.

Immerhin jedoch habe ich auf Herrins Kamera noch drei Detailaufnahmen von den Gesichtern der lebensgroßen Göttinnen-Statuen gefunden. Vielleicht tröstet dich das ja ein wenig darüber hinweg, keine Dollfies zu sehen.

Nachdem Herrin und ihr Begleiter eine locker fünfstellige Summe in den Geschäften gelassen und auch eine winzige Fetishcosplay-Abteilung in einem siebenstöckigen Erotik-Geschäft voller Hentai, Sexspielzeug, Magazinen und Unterwäsche gefunden hatten, ging es mit dem Zug über Asakusa-bashi noch ein weiteres Mal nach Asakusa.

Von Asakusa kann man den neu errichteten Tokyo Tree Tower sehen, der Tokyo Tower in den Schatten stellen soll…

…sowie den „goldenen Scheißhaufen“ auf dem Gebäude der Asahi Brauerei, der eigentlich eine Flamme oder ein Wassertropfen sein soll.

Diesmal besuchten Herrin und ihr Begleiter den Bazar, der zum Tempel führt, sowie die Einkaufsstraßen, um noch einige Andenken für Freunde zu finden. Asakusa ist im Vergleich zu den Kernbezirken regelrecht ruhig und klein und viele der Geschäfte werden von sehr alten, lange eingesessenen Japanern geführt. Früher war Asakusa ein bedeutendes Geiko-Viertel, und noch heute gibt es eine geringe Anzahl Geiko, die im Viertel aktiv sind. Leider war uns das Glück nicht hold, Mitglieder dieses sehr ehrenwerten Berufsstandes zu Gesicht zu bekommen.

An diesem Punkt hatten Herrin und ihr Begleiter mehrere Kilogramm an Andenken eingekauft und geschultert, und so beschlossen sie, zunächst mit der Asakusa Line bis Daimon zu fahren und die eingekauften Schätze ins Hotelzimmer zu bringen. Danach machten sie sich noch einmal auf die Jagd, um für ein kleines Abendessen zu sorgen, denn der Einkaufsbummel hatte sie redlich hungrig gemacht.

Da es bereits dämmerte, war Tokyo Tower hell erleuchtet und erstrahlte abwechseln in orangefarbenen und weißen Streifen.

Liebste Minako-chan, vermutlich brennst du nun bereits darauf, zu erfahren, welche Heldentat von Herrin mich dermaßen in Aufregung versetzen konnte. Nun, ich empfehle, dass du Marie und Suleika dazu anhältst, den Schreibtisch von Herrin etwas umzuräumen, denn wenn wir am Donnerstag zurückkehren, dann werden wir etwas Platz brauchen.

Ja, das ist, wonach es aussieht. Eine weitere Tüte mit Zubehör wartet ebenfalls darauf, ausgepackt und verwendet zu werden.

Liebe Minako-chan, ich werde an dieser Stelle schließen. Ich muss dich noch ein letztes Mal darum bitten, uns die Daumen zu drücken, dass das Wetter so angenehm bleibt wie es gegenwärtig ist. Morgen wollen wir zum Mitake-san fahren und uns den Berg und die Gegend darum herum ansehen. Ich bin sicher, dass es dort wieder einiges zu entdecken gibt.

Schlaf gut, geliebte Minako-chan.
Deine Umeko

Briefe an Minako (4)

Tokyo, den 11. März 2012

Konban wa, Minako-chan! O-genki desu ka?

Heute war ein bedeutender Tag für Japan, denn heute vor einem Jahr veränderten der Tsunami und die Reaktor-Katastrophe von Fukushima die Leben vieler Millionen Japaner. Ein Gedenken an die Opfer war daher auch überall spürbar, und im Fernsehen gibt es schon den ganzen Tag Sondersendungen – aber du musst nicht glauben, dass das Herz dieser riesigen Metropole deswegen auch nur ein wenig langsamer schlagen würde!

Für Herrin und mich stand heute eine weitere Tour auf dem Plan, die uns bis zum Pazifik führen würde. Mit der Yamanote ging es zuerst bis Shinagawa, und von dort dann mit der Yokosuka Rapid Line über Yokohama bis nach Ofuna. Eines ist gewiss, liebe Minako: Japan hat ein Platzproblem. Nirgends ist dieser Umstand so sichtbar wie in den „Vororten“, die sich von Nishi-Oi bis weit hinter Yokohama spannen.

Über Ofuna thront eine aus weißem Beton bestehende Statue der Göttin Kuan Yin, die zum Ofuna Kannon Temple gehört.

Nach einer kurzen Unterbrechung brachte uns die Shonan Monorail weiter nach Enoshima an der Pazifikküste.

Auch das gehört zu Japan: Fahren mit der Monorail. Der öffentliche Nahverkehr nutzt hier jeden freien Platz, sowohl in die Tiefe als auch in den Himmel hinauf.

Densha Umeko meldet sich in Enoshima Terminal zum Dienst!

Neue Freunde an den Schranken der Enoshima Station.

In Enoshima hieß es ein letztes Mal, umzusteigen, dann brachten uns die Triebwagen der Enoden Line bis nach Kamakura-kokomae und damit bis hinan an den Pazifik. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich auch die letzten Wolken verzogen, und die Sonne brachte den Ozean zum Glitzern, während die Brandung auf den Strand auflief. Die ideale Gelegenheit also für Herrin, ihre innere Meerjungfrau heraus zu lassen.

Das kann schon was, das Meer.

Grüße vom Pazifik in die Heimat! Spürst du schon das Fernweh, liebe Minako?

Die Enoden Line brachte uns nach dieser kurzen Unterbrechung an der Küste entlang weiter bis Hase, wo wir die Fahrt erneut unterbrachen. Mittlerweile waren die Züge gut gefüllt; viele Japaner und auch Ausländer hatten sich auf den Weg gemacht, entweder um in Kamakura einkaufen zu gehen oder sich die vielen Tempel und Schreine entlang der Pazifikküste anzusehen. Unser erster Stopp war der Hase Temple, eine wunderschöne Anlage, die sich an die Berghänge schmiegt.

Dieses Tor führt auf das Gelände des Hase Temple.

Das Haupthaus mit dem Heiligtum überragt die kleine Stadt, wird aber selber von dem dahinter liegenden Gipfel überragt.

Der Hase Temple ist eine große Anlage mit wunderschönen Gärten, die zum Entspannen und In Sich Gehen einladen. Es gibt viele Möglichkeiten zur Inneren Einkehr, mehrere Schreine, eine Bücherei, eine Höhle mit Statuen für die Götter und einen Friedhof mit Totenstatuen.

In den Weihern schwimmen natürlich Koi. Da die aber keine kleinen Puppen essen sollen, musste Herrin mich festhalten.

Lange dauert es sicher nicht mehr bis Hanabi. Im warmen Pazifikklima blühen in Hase bereits die Kirschbäume.

Endlich kann ich für die Opfer der Katastrophe vor einem Jahr und ihre Angehörigen beten.

Ebenfalls oberhalb von Hase befindet sich der Daibutsu, der aus 121 Tonnen Bronze errichtet wurde. Der Daibutsu war früher Bestandteil einer größeren Tempel-Anlage, die jedoch mehrfach einstürzte und schließlich von einem Tsunami weggefegt wurde. Wenn du dir vor Augen hältst, dass die Statue gute zwei Kilometer ins Landesinnere und vielleicht 100 Meter über dem Meeresspiegel liegt, kannst du dir sicher vorstellen, welche Macht solch ein Tsunami entwickeln kann.

Dem Daibutsu konnten die Zeiten nicht viel anhaben – allerdings wurde er mittlerweile mit einem Korsett verstärkt.

Ein letztes Mal benutzten wir die Enoden Line, um die wenigen Haltestellen bis Kamakura zu fahren. Hier befindet sich neben einer Einkaufszeile (mit einem Ghibli Store, Geheimtipp für die Nerds) auch der Tsurugaoka Hachiman-gu Shrine. Ursprünglich gehörte dieser gar nicht hier her; als der ihm übergeordnete Clan jedoch in diese Region umzog, nahmen sie den Shrine kurzerhand mit.

Farbe und Architektur sind wirklich eine Augenweide und atemberaubend schön.

Vom Tempel-Hof führt eine lange Treppe zum eigentlichen Heiligtum hinauf.

Der Shrine ist heute eine Verschmelzung von modernem Tourismus-Ziel, in der die Miko die Gäste bewirten, und traditionellem Heiligtum des Shintoismus. Als wir auf dem Gelände des Shrines unterwegs waren, fand in einem Pavillon im Vorhof eine Shinto-Hochzeit statt, und die Touristen, die den Ort besuchten, konnten ungehindert bei der Zeremonie zusehen. Fotos hat Herrin davon aus Rücksicht natürlich keine gemacht; die jungen Eheleute saßen bereits hinreichend auf dem Präsentierteller.

Nach diesem anstrengenden Ausflug brachte uns die Yokosuka Rapid Line ins Herz von Tokyo zurück. Wir verließen den Zug an der Tokyo Station und liefen von dort zum Palast des Tenno, der im Zentrum der Metropole inmitten eines weitläufigen Areals voller Bäume gelegen ist.

Für den Publikumsverkehr ist der Palast allerdings gesperrt, sodass uns nur ein Blick aus der Ferne gewährt wird…

…und ein Spaziergang durch den öffentlichen Teil des Parkes am Fuß der Skyline.

Die Tokyo Station selber konnten wir heute nicht mehr besuchen, dabei handelt es sich dabei um einen schönen Bau, der von einem Holländer errichtet wurde. Man sieht ihm den europäischen Einfluss deutlich an, und überall im Bezirk finden sich in der Architektur Hinweise auf Einflussnahme der Europäer.

Dieses Haus schmiegt sich nahe der Tokyo Station in eine Nische zwischen modernen Wolkenkratzern.

Mittlerweile hatte sich der Himmel wieder zugezogen, und es wurde auch zunehmend kühler. Trotzdem machten Herrin und ihr Begleiter auf dem Rückweg ins Hotel einen Zwischenstopp in Ginza. Wusstest du, dass in Tokyo die Hauptstraßen der großen Shopping-Bezirke wie zum Beispiel Akihabara oder Ginza an Sonntagen für den Autoverkehr gesperrt und in Fußgängerzonen verwandelt werden, um all die Japaner aufnehmen zu können?

Kein Auto weit und breit – aber das heißt nicht, dass es ruhig wäre!

Nun gut, liebste Minako-chan. Es war ein anstrengender Tag, den Herrin und ich weitestgehend zu Fuß bewältigt haben. Wir sind erschöpft, und wir können noch lange nicht zur Ruhe kommen. Für morgen steht weiteres Shopping in Akihabara an. Dann wird Herrin sicher den Azone Store plündern. Ich kann dir nicht versprechen, dass es dann einen Bericht von mir gibt; Shopping ist traditionell eher langweilig aus der Ferne anzusehen. Wenn du jedoch willst, werde ich Herrin bitten, die Kamera und mich einzustecken.

Sayounara und schlafe gut!
Umeko

Briefe an Minako (3)

Tokyo, den 10. März 2012

Liebe Minako!

Stell dir vor, was über Nacht aus dem furchtbaren Eisregen geworden ist, der uns gestern den ganzen Tag gequält hat. Es hat geschneit! Und als Herrin zum Frühstück ging, taumelten immer noch dicke Flocken vom mit aschegrauen Wolken bedeckten Himmel. Natürlich blieb der Schnee nicht liegen, und am Boden war es einfach nur nass, zusätzlich zum ohnehin schneidenden Wind. Aber dennoch ist Schnee um Längen besser als Regen.

Heute war bei Herrin irgendwie der Wurm drin. Zusätzlich zu den schmerzenden Füßen und der Blase am Fuß wurde sie den gesamten Tag über von leichtem Unwohlsein geplagt. Wir hatten uns Ueno ins Programm geschrieben, um dort das National Museum of Nature and Science zu besuchen. Normalerweise kostet die Fahrt mit der Yamanote von Hamamatsucho nach Ueno 160 Yen und dauert sieben Stationen. Man kann allerdings auch – wie die eisenbahn-verrückten Menschlinge, an die ich gekettet bin – eine Weltreise durch Tokyo machen, indem man zunächst drei Stationen mit der Yamanote bis Tokyo fährt, dort in die Chuo-Linie umsteigt und in Shinjuku ein letztes Mal wechselt, um mit der Yamanote bis Ueno zu fahren. Und all das zu einem Preis, für den man in Deutschland nicht einmal eine Kurzstrecke bekäme.

Das Museum selber wirkte von außen unscheinbar, von innen zeigte es jedoch, was wirklich darin steckt.

Japanische Architektur wie in den schönsten europäischen Häusern.

Der vordere Bereich des Museums beherbergt neben einem umfangreich ausgestatteten Museumsshop, in dem man sogar Geräte für chemische Experimente, Astronautennahrung und Indikatorpapiere bekommt, mehrere Dauer-Ausstellungen, die sich insbesondere mit Japan beschäftigen: Geologische Entstehung, Entwicklung des japanischen Volks, Flora und Fauna der japanischen Inseln. Der Löwenanteil der Ausstellung befand sich jedoch in einem hinter dem Haupthaus gelegenen Anbau. Auf sechs Stockwerken führte das Museum hier von den Anfängen des Universums, den Grundbausteinen allen Lebens und den physikalischen Grundgrößen über die Evolution bis hin zu den modernen Errungenschaften der Menschheit.

Zum Glück basiert seine Wahrnehmung ausschließlich auf Bewegung. Und zum Glück ist er ziemlich tot.

Und auch der Rafflesia will man eigentlich nicht wirklich begegnen. Das sind „kleine“ Stinker! (Und über einen halben Meter groß.)

Kleiner Jagdausflug in der biologischen Abteilung. Psst! Verscheuch das Wild nicht!

Sternzeichen Büffel oder: Auf Tuchfüllung mit dem inneren Hornochsen.

Krieg. Krieg bleibt immer gleich.

Mister Zulu, Energie!

Diese japanischen Verwandten von uns haben einen versteckten Mechanismus unter den Kleidern, der Kopf, Hände und Füße bewegt. Gruselig!

Das Museum war sehr anstrengend, und für eine Weile haderte Herrin mit sich, ob sie sich im Museums-Shop mit Glasschliffgeräten und fingergliedkleinen Mikroskopen eindecken sollte. Da jedoch Samstag ist, füllte sich das Museum langsam mit vielen Menschen und kleinen Kindern, und es wurde zunehmend wärmer, sodass Herrin und ihr Begleiter schnell das Weite suchten.

Nach einem Bummel durch den Rand von Ueno und einem aus einem der vielen Automaten gezogenen heißen Kakao ging es dann mit der Yamanote zurück nach Tokyo. Hier sollte ich dir vielleicht kurz erklären, dass es nicht nur den Großbezirk Tokyo, also die Stadt selber, gibt, sondern auch eine Station namens Tokyo mitten im Herzen der Stadt. Hier treffen sich viele der S-Bahnen und viele U-Bahn-Linien, und natürlich die Shinkansen.

Kein Wunder, dass Herrin so für Eisenbahnen schwärmt – hier in Tokyo kommt der Reigen der Züge einem riesigen Ballett aus Edelstahl gleich!

Unter Tokyo Station erstreckt sich auf drei Ebenen eine gewaltige Einkaufspassage, die viele große Einkaufszentren in Deutschland mit Leichtigkeit in den Schatten stellt. Herrin und ihr Freund gingen wieder auf die Jagd nach Mitbringseln für ihre Freunde, außerdem wurde es langsam Zeit für einen Imbiss. Leider dachte der Rest von Tokyo wohl ziemlich ähnlich, und so war es in der Passage stickig, heiß und laut. All das trug nicht gerade zu Herrins Wohlbefinden bei, und als sie an einem der zahlreichen Ausgänge beinahe das Bewusstsein verloren hätte, beschlossen die beiden Menschlinge klugerweise, Shopping Shopping sein zu lassen und ins Hotel zurück zu kehren, um die Wunden zu lecken.

Nach einer kurzen Erholungsphase machten die Menschlinge sich dann aber doch noch einmal auf den Weg, um in den vielen Gassen nach einem Lokal mit japanischer Küche zu suchen. Herrin hängt der ständige Fraß aus dem Kombini an der Ecke zum Hals raus, und sie droht mittlerweile wirklich mit Hungerstreik, musst du wissen! Und so kehrten die beiden schließlich (ohne mich) in einem Ramen-Restaurant unter dem World Trade Center Building von Minato ein. Herrins erste echte japanische Mahlzeit, nach drei Tagen! Ich erzähle dir später, wieso das so lange dauerte…

Der Gang zum Family Mart stand danach aber trotzdem noch an – schließlich will Herrin des Nachts ja nicht nur vom complimentary coffee leben, den das Hotel zur Verfügung stellt.

Welche Drogen dürfen es für dich sein, geliebte Minako? Pocky Erdbeere, Kitkat Green Tea oder Peach Flavoured Water?

Liebe Minako, damit schließe ich diesen Brief für heute. Bitte drücke uns die Daumen, dass das Wetter morgen mitspielt, denn dann wollen wir nach Kamagura und bis zum Pazifik fahren. Wenn es nicht allzu regnerisch und kühl ist, bieten sich dort sicher viele Möglichkeiten für Fotografien. Außerdem gibt es dort viele Tempel, um den Opfern der Tsunami-Katastrophe im letzten Jahr zu gedenken, deren Jahrestag Japan morgen begeht.

Ich wünsche dir eine gute Nacht und schreibe dir morgen wieder.

In Liebe
Umeko