Metamorphose

Wenn Wörter zu Worten werden

Monat: Oktober 2019

Briefe aus Tokyo, Tag 4 (05.11.15)

Umeko: Konban wa, liebe Leser! Es ist Tag 4 unseres Urlaubs in Japan, und das Wetter ist unverändert schön, also werden wir heute in die Berge fahren.

Minako: Wir haben uns schon einmal im Kombini mit Proviant eingedeckt und haben das erste Etappenziel unserer Reise mit der Yamanote erreicht: Tokyo Station. Wie geht’s jetzt weiter?

Umeko: Wir nehmen die Chuo Line bis nach Takao.

Minako: Sie hat einen orangefarbenen Streifen – da sollte sie wirklich Minako Line heißen! Na ja, man kann wohl nicht alles haben. Wie lange sind wir unterwegs?

Umeko: Eine knappe Stunde bis Takao und dann noch ein paar Minuten mit der Keio Line zum eigentlichen Wandergebiet auf dem Takao-san.

Minako: Ist das da ein Friedhof?

Umeko: Mhm, richtig erkannt. Das sind Grabpfeiler. Stelen.

Minako: Das ist hier richtig ländlich. Sollte man gar nicht glauben, nachdem die Chuo Line uns eine knappe Stunde durch irgendwelche Vororte gekutscht hat.

Umeko: Wenn du soweit bist, sollten wir los. Vor uns liegen knapp 600 Höhenmeter.

Minako: Ganz schön steil und eng.

Umeko: Ach, das geht noch alles. Weiter oben wird’s zu einem richtigen Hohlweg, da können kaum zwei schmale Leute nebeneinander stehen.

Minako: Eine Hängebrücke? Müssen wir wirklich da rüber? Ich hab Höhenangst, Ume-chan!

Umeko: Hier, ich helfe dir hinüber, nimm meine Hand. Und guck nicht nach unten, dann ist es nicht so schlimm.

Minako: Hier ist es echt unglaublich schön. Wäre es trotzdem okay, wenn wir von dieser Brücke runter kommen? Ich spüre meine Knie nicht mehr, und da geht es seeeehr weit hinab!

Gipfelstüüüürmer!

Umeko: Freu dich nicht zu früh. Wir haben gerade einmal die Hälfte geschafft, und vom Gipfel aus müssen wir auch noch bis zur Bergstation der Seilbahn hinabsteigen.

Minako: Yush! Gehen wir’s an!

Immerhin gibt es hier Treppen, das wird den Aufstieg vereinfachen.

Umeko: Das sind immer nur kurze Stücke. Weiter oben wird der Weg wieder schmaler. Aber vom Gipfel zur Bergstation ist der Weg dann etwas flacher und auch gangbarer.

Minako: Weißt du, dass „Yush“ ein sehr seltsamer Laut ist? Aber ich kann verstehen, wieso die Japaner es beim Bergwandern so gerne sagen. Es wirkt irgendwie befreiend und gibt neue Energie.

Umeko: Barbara würde es hier sicher gefallen… Eto… Nein…

Minako: So. Bis hierher hab ich ungefähr elfunddrölfzig Mal „Konnichi wa“ gesagt.

Umeko: So sind die Japaner beim Wandern eben. Rücksichtnahme ist auf den engen und gefährlichen Wegen eben sehr wichtig.

Minako: Manchmal übertreiben sie es aber schon. Wieso gibt es keine Floskel für „Es ist okay, machen Sie sich keine Gedanken, Sie haben mich nicht behindert“?

Umeko: Die Japaner sind – und das sage ich als Exil-Japanerin – höflich bis zur Selbstverleugnung.

Minako: Gipfelstürmer…?

Umeko: Ja, diesmal sind wir wirklich ganz oben, auf knapp 600 Metern Höhe. Der Takao-san kann den Tokyo Sky Tree nicht in den Schatten stellen, und der Mitake-san war auch höher.

Minako: Trotzdem, was für eine Aussicht.

Umeko: Abwärts nehmen wir die Standseilbahn. Dann sind’s nur einige hundert Meter zu Fuß bis zur Bahnstation. Wie fit bist du noch?

Minako: Meine Füße schmerzen ein bisschen, aber es wird gehen, wenn wir mit Herrins Suica was zu trinken kaufen.

Umeko: Dann schlage ich vor, dass wir mit der Keio Line nach Shinjuku fahren und von dort mit der Yamanote nach Ikkebukuro. Das sind beides ziemlich beliebte Shopping-Distrikte.

Minako: Das dürfte wohl am ehesten dem Bild entsprechen, das die Leute im Kopf haben, wenn sie an Japan denken.

Umeko: Shinjuku, Ikkebukuro, Ginza oder Akihabara unterscheiden sich massiv in Aufbau und Auswahl der Geschäfte. Aber vermutlich hast du Recht, die meisten Menschen sehen bei „Tokyo“ glitzernde Hochhäuser mit knallbunten Werbetafeln vor sich,die Straßen mit Menschen überlaufen.

Minako: In Shinjuku ging’s ja noch, aber hier in Ikkebukuro herrscht schon ziemlicher Betrieb. Es scheint auch eher Richtung Akihabara zu tendieren, während Shinjuku der Ginza gleicht.

Umeko: Gut beobachtet. Jetzt lass uns aber ein paar Yen in die japanische Wirtschaft schießen, okay?

Minako: Jaaaa! Shopping!

Umeko: So, liebe Leser. Wir sind mittlerweile wieder in Daimon angekommen und in ein Ramen-Lokal eingekehrt. Wir werden den Tag jetzt mit einer riesigen Portion Udon Soba ausklingen lassen.

Minako: Itadakimasu!

Umeko: Dem kann ich mich nur anschließen. Itadakimasu und bis morgen!

Briefe aus Tokyo, Tag 3 (04.11.15)

Umeko: Konban wa, ihr Lieben! Ich grüße euch zum Reisebericht unseres dritten Tages in Tokyo!

Minako: Sieht nicht so aus, als sei der letzte Bericht von vielen gelesen worden. Schade.

Umeko: Mach dir nichts daraus, Minako. Davon sollten wir uns den Tag nicht verderben lassen. Was hältst du davon, wenn wir zum Hinode Pier am Sumida hinunter gehen und die Sonne genießen, bis die Rush Hour durch ist und wir in den Zügen nicht mehr totgetrampelt werden?

Minako: Das Wetter ist soooo wundervoll! Wheee!

Umeko: Sei bitte vorsichtig, dass du nicht abstürzt!

Das da hinten ist übrigens unser Ziel für den Tag: Sky Tree Tower in Asakusa.

Minako: Der sieht ganz schön gewaltig aus.

Umeko: Mhm. 600 Meter und ’n bisschen Kleingeld.

Minako: Und da willst du wirklich hinauf? Über einen halben Kilometer senkrecht nach oben?

Umeko: Keine Sorge, bis ganz oben kannst du ohnehin nicht, das ist nur die Antenne. Und die Lifts im Sky Tree bringen uns mit 70 Kilometern pro Stunde nach oben auf die Aussichtsplattform in 350 Metern Höhe, und bis auf etwas Druck auf den Ohren wirst du von der Fahrt nichts merken, so gut sind Beschleunigung und Bremsung ausbalanciert.

Minako: Und wieso sagt dieses niedliche Mskottchen dann, dass wir auf 450 Meter Höhe sind?

Umeko: Na, willst du nun Abenteuer erleben oder bei den anderen Anfängern auf der unteren Ebene bleiben?

Minako: Schau mal, eine alte Stadt!

Umeko: Das ist der Asakusa Kannon Tempel. Den besuchen wir gleich auch noch. Der Bazar auf der Zufahrtsstraße ist eine beliebte Touristenfalle, und vielleicht sehen wir ja sogar eine Geiko.

Minako: Ist das da hinten im Dunst der Tokyo Tower?

Umeko: Ganz genau. Dort drüben liegt Daimon und Minato-ku.

Minako: Der ist ja winzig im Vergleich zum Sky Tree.

Umeko: Von da drüben kannst du sogar den Fuji-san sehen. Leider ist der Dunst so dick, dass Herrins Kamera nicht damit zurecht kommt, sonst… Minako? Wo ist dieses Flausenhirn jetzt wieder hingerannt?

Minako: Tokyo erstreckt sich echt, soweit das Auge reicht. Da fühlt man sich total winzig.

Umeko: Das Schild hast du aber schon gelesen? Wir werden Ärger bekommen.

Minako: Mach dich nicht lächerlich, wir sind Puppen. Wenn hier einer Ärger kriegt, dann Herrin, und die hat den gaijin-Bonus.

Umeko: Wenn du dich satt gesehen hast, schlage ich vor, wir fahren zum Asakusa Kannon rüber. Der ist auch eine Augenweide.

Minako: Du hast nicht übertrieben. Die Farben und all die Zierrat, das ist eine echte Augenweide.

Umeko: Warte, bis du die Pagode und das Heiligtum gesehen hast.

Minako: Wow. Mir fehlen echt die Worte. So viel Pracht für die Religion.

Umeko: Die Japaner haben eine interessante Einstellung zur Religion. Das meiste ist eine Mischung aus Buddhismus und Shintoismus, weswegen du überall auf dem Gelände des Asakusa Kannon Hakenkreuze finden wirst, die aber nichts mit irgendwelchen Nazis zu tun haben. Aber die Japaner bedienen sich auch in anderen Religionen, wenn sie etwas mögen. Zum Beispiel Weihnachten.

Minako: Da vorne brennt’s ja!

Umeko: Das ist ein Räucherbecken, neben dem Brunnen die zweite Form, sich – oder den Geist – für den Besuch im Tempel zu reinigen.

Minako: Das war erhellend und beeindruckend zugleich. Wie geht es jetzt weiter?

Umeko: Wir nehmen den Bus zurück zur Hinode Pier.

Minako: Den Bus? Da ist es in dem Wetter total warm und stickig drin! Bitte tu mir das nicht an, dann lieber die Oedo-Linie der U-Bahn!

Umeko: Du solltest mich besser kennen, Minako. Ich rede von einem Wasser-Bus. Einem Schiff, das uns den Sumida hinunter bringen wird.

Minako: Tschüss, Asakusa. Tschüss, Sky Tree.

Aber sag mal, Umeko, was sind das eigentlich für Tore überall am Ufer?

Umeko: Das sind Tsunami-Schutztore. Sie können geschlossen werden, wenn ein Tsunami – zum Beispiel nach einem Seebeben – Wellen vom Pazifik in die Tokyoter Bucht hinauftreibt. Bis zu einer gewissen Höhe schützen sie das Land vor Überschwemmungen.

Minako: Die Gefahr ist hier immer präsent, oder?

Umeko: Jedes Kind weiß in Japan, was bei Erdbeben zu tun ist. Wenn so etwas passiert wie in Fukushima vor vier-einhalb Jahren, dann ist natürlich trotzdem jede Vorbereitung für die Katz.

Trotzdem haben die Menschen schon ewig hier am Fluss gelebt, und sie werden es auch in Zukunft tun.

So. Wir sind fast da. Das hier sind die Hochhäuer, die du heute früh von der Pier aus gesehen hast.

Minako: Den Zug kenne ich schon. Das ist die Yurikamome-Hochbahn nach Odaiba hinüber.

Umeko: Richtig. Bei diesem Wetter wird der Zug wieder rappelvoll sein. Na ja, bis Aomi halten wir schon durch.

Minako: Das Gebäude kenne ich auch. Das sind die umgedrehten Pyramiden des Tokyo Convention Centers.

Umeko: Stimmt. Als ich das letzte Mal hier war, hat’s fürchterlich geschüttet. In dem Licht sieht das alles viel freundlicher aus. Aber da geht’s heute nicht hin, wir sind hier für den Shopping-Distrikt, das Venus Fort.

Kitsch as kitsch can…

Minako: Ich kann es einfach nicht abschütteln, Odaiba wirkt auf mich einfach zu gezwungen und künstlich.

Umeko: Damit bist du der Wahrheit schon recht nahe. Hier war nicht immer eine Insel mit einem Naherholungsgebiet. Das ganze Land wurde künstlich mit gomi aufgeschüttet, und dann hat man Hotels, Bürogebäude und Shopping Malls draufgepflanzt und alles mit Straßen und Zuglinien verbunden.

Minako: Gomi?

Umeko: Müll. Du stehst wortwörtlich auf dem Müll einer Metropole.

Minako: Herrin kann es nicht lassen…

Umeko: Trag’s mit Fassung. LEGO ist überall auf der Welt gleich, wie McDonald’s. Sie wird schnell fertig sein.

Minako: Zum Glück hast du Recht behalten. Um nichts in der Welt will ich diesen Blick missen.

Ich bin echt echt echt froh, hier zu sein – mit dir.

Umeko: Du bist lieb, Minako…

Minako: Die Stadt hat uns wieder. Aus die trügerische Ruhe des Strandes von Odaiba.

Umeko: Wir haben noch ein bisschen Zeit, ehe wir zurück ins Hotel müssen. Hast du Lust, noch einen Bummel durch Ginza zu machen? Heute fährt die Yamanote hier aus Shimbashi alle drei Minuten, wir kommen also sicher wieder zurück.

Minako: Oh ja, lass uns shoppen, bis unsere Füße bluten!

Umeko: Ihr habt das Flausenhirn gehört, liebe Leser. Ich verabschiede mich von euch und hänge mich an Minako, ehe sie in dem Trubel hier auf Nimmerwiedersehen verschwindet. Wir sehen uns morgen wieder. Sayounara!

Briefe aus Tokyo, Tag 2 (03.11.15)

Umeko: Konban wa, liebe Mitlesende…

Minako: …und natürlich auch von mir ein herzliches Hallo an alle, die unsere Erlebnisse verfolgen!

Umeko: Ehe wir anfangen, muss ich mal eben zweierlei loswerden. Erstens ist unser heutiger Bericht sehr bildlastig, also seht es uns nach, wenn das Laden ein wenig dauert. Und leider gibt’s von uns auch eher wenig zu sehen, aber ich denke, die meisten von Euch sind vor allem wegen der Bilder aus Japan hier. Und zweitens…

…muss ich mal sagen, dass Herrins SUICA wirklich eine tolle Sache ist. Wer öfter nach London fährt, kennt das Prinzip von der Oyster Card: Es ist eine Prepaid Debit Card, mit der man die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen, in vielen Kombinis bezahlen und fast aus allen Automaten Getränke ziehen kann. Das reduziert den Bedarf an Kleingeld und ist superpraktisch.

Minako: Und wo geht’s heute hin mit dieser tollen SUICA und… warte, ich hab’s schon. Der Zug hat einen hellgrünen Streifen, also ist das die Yamanote, richtig?

Umeko: Richtig. Und wir fahren nach Ueno ins Museum.

Minako: Pööh. Museen sind doch langweilig.

Umeko: Dieses hat Dinosaurier.

Minako: Worauf wartest du noch! Lass uns endlich fahren!

Umeko: Na? Weißt du, was das heißt?

Minako: Dass wir in einer der führenden Walfangnationen unsere Planeten sind?

Umeko: Ich bin gerade sehr froh, dass die meisten hier uns nicht verstehen.

Minako: Ach komm schon. Wer zuletzt beim T-Rex ist, ist ein Slowpoke!

Umeko: Während Minako sich vom T-Rex verputzen lässt, erzähle ich euch lieber ein bisschen was über die Ausstellung. Dieser Teil beschäftigt sich mit der Evolution, von den ersten Aminosäuren in der Ursuppe über die Explosion des Lebens im Meer, die Pflanzen, die Ammoniten und diese Trilobiten. Wenn man sich das in der richtigen Reihenfolge anschaut, muss man an den Anhängern der Schöpfungsmythen wirklich zweifeln… Jedenfalls wurde das Leben immer komplexer und komplexer, bis wir schließlich…

…zu den Dinosauriern kommen, wie zum Beispiel dieses Prachtexemplar eines Triceratops. Das Foto vom T-Rex könnt ihr in dem Bericht von 2012 sehen, zusammen mit weiteren interessanten Informationen über das Museum. Ich muss mal eben Minako einfangen – zum Glück ist sie zwischen all den kleinen Japaner-Kindern mit ihrem Blondschopf so auffällig wie ’ne lila Kuh auf der Alm.

Minako: Poah, ist das voll hier!

Umeko: Es ist Feiertag, und der Eintritt ist frei. Da bist du eben nicht das einzige kleine Kind, das Dinosaurier gucken will. Dabei wird’s jetzt eigentlich erst richtig spannend, denn nachdem die Dinos verschwunden waren, war die Bühne frei für den Menschen!

Minako: Hallo, Lucy!

Umeko: Australopitecus. Mitglied der Familie der Hominiden und Urmutter der Menschheit. Vermutlich Jäger und Sammler, entwickelte sich dann aber weiter, schöpfte Kultur, zähmte das Feuer, entdeckte den Ackerbau und schließlich…

…die Sesshaftigkeit. Von hier aus ging die Entwicklung dann rasend schnell.

Wir vermaßen die Welt…

…machten uns die Mechanik zunutze…

…und entwickelten die Wissenschaftliche Methode, mit deren Hilfe wir die Geheimnisse unserer Welt systematisch entschlüsselten.

Minako: Das hier habe ich nicht verstanden.

Umeko: Das ist ein Foucaultsches Pendel. Mit ihm lässt sich die Erdrotation mithilfe der Corioliskraft…

Minako: Halthalthalt! Zu viele schwere Worte! Wer oder was verbirgt sich hinter dem japanischen „fuko“?

Umeko: Ach, Minako. Foucault war Franzose. Ich erklär’s dir später. Jetzt lass uns erst einmal die Menschheitsgeschichte weiter durchsprinten.

Die Naturgesetze erchlossen uns die Geheimnisse der Mathematik und des Computers…

…und ermöglichten uns den Flug zu den Sternen, aber auch eher obskure Entwicklungen, wie diese Postrakete.

Minako: Willst du mir erzählen, dass die Post mal versucht hat, Briefe mit Raketen zu befördern?

Umeko: Genau das.

Minako: In was für einer Welt lebe ich eigentlich, in der das keine erfolgreiche Entwicklung war? Was kam dazwischen? Das iPhone?

Umeko: Ich denke mal, die Leute waren einfach keine Fans davon, ihre Post explodieren zu sehen.

Ganz daneben lagst du aber nicht, denn am Ende dieser langen Geschichte stehen wir, mit beiden Beinen fest verwurzelt im Informationszeitalter, in dem das Wissen der Menschheit nur einen Fingerzeig entfernt liegt.

Minako: Oder Katzenvideos. Apropos Katzen, da hinten sehe ich Tiere! Komm schon! Da wird’s endlich wieder spannend!

Die hier mag ich persönlich ja viel lieber als den ganzen technischen Kram.

Umeko: Ja, aber noch lieber wären sie mir auf einer Blumenwiese und ohne eine Nadel durch den Bauch.

Minako: Hmm… Ob wir es für Herrin mitnehmen sollen, als Plüschtier?

Umeko: Sie hat schon ein Zebra.

Minako: Man kann nie genug voodoo-zaubernde Zebras besitzen.

Umeko: Komm jetzt, sonst stell ich dich zu der gruseligen mechanischen Puppe!

Minako: Tschüss, kleines Zebra! Es war schön bei Ieps! Wolf! Aaaah! Frauen und Minakos zuerst!

Umeko: Minako, warte! Der ist doch ausgestopft!

Und? Immer noch der Ansicht, dass Museen langweilig sind?

Minako: Okay, nicht alle, ich gebe es zu. Was machen wir jetzt?

Umeko: Wir nehmen die Yurikamome und fahren über die Rainbow Bridge rüber nach Odaiba. Das Wetter brüllt nach Strand.

Minako: Man. Das ist schon echt verdammt schön hier. Und das Wetter ist Bombe.

Umeko: Stimmt. Da weiß man gar nicht, was man als nächstes angucken soll. Also, liebe Leser, ihr entschuldigt uns beide. Wir müssen den nächsten Tag planen. Bis morgen und Sayonara!

Minako: Vielleicht hätten wir das Zebra ja doch…

Umeko: Ach, Minako…

Briefe aus Tokyo, Tag 1 (02.11.15)

Umeko: Es ist mal wieder so weit, lieber Leser. Herrin verschlägt es ein weiteres Mal zum Urlaub nach Japan, und erneut fällt mir die ehrenvolle Aufgabe zu, den Reisebericht für ihr Tagebuch zu schreiben.

Minako: Aber diesmal hat die alte Langweilerin Verstärkung dabei, nämlich von mir!

Umeko: Ja, Minako, du leistest mir diesmal Gesellschaft, wenn Herrin mich erneut spannende Abenteuer im fernen Tokyo erleben lässt. Wobei man sagen muss, dass du ziemlich ungeduldig warst. Geduld ist eine Tugend, Mina-chan!

Minako: Der CheckIn hat aber auch ewig gedauert! In so eine kleine Puppe wie mich passt eben nur ein kleines Bisschen Geduld. Aber mal ehrlich…

Minako: …der Sonnenaufgang über Sibirien war’s echt wert. Auch wenn wir in dieser fliegenden Konservendose bei all den Turbulenzen kaum Schlaf bekommen haben.

Umeko: In Tokyo selber warst du dann aber sehr still. Im Schnellzug von Narita International ins Zentrum Tokyos hast du die ganze Zeit an der Scheibe geklebt und keinen Pieps gesagt.

Minako: Ja, die Reizüberflutung hat mich ziemlich erschlagen. Hier ist aber auch alles so bunt, und es glitzert und klimpert und woaaah!

Umeko: Minato-ku war jedenfalls noch so, wie ich es in Erinnerung hatte.

Minako: Und mit der Sicht auf den Tokyo Tower hast du letztes Mal nicht übertrieben. Der ist wirklich nur einen Katzensprung vom Hotel entfernt.

Umeko: Und die Sicht vom Tower hinunter in der Stadt erst, nicht wahr?

Minako: Ich kann immer noch nicht glauben, dass wir wirklich hier sind, Ume-chan.

Umeko: Glaub es ruhig, Minako. In den kommenden zehn Tagen wird all das da unten uns gehören.

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