Minako Ohaaaaaa~you, Minato-ku!

Umeko Und auch von mir einen schönen guten Morgen an diesem sechsten Tag unserer Reise.

Minako Gibt eine ganze Menge Sondersendungen in der Glotze heute.

Umeko Der neue tenno besteigt heute den Thron, das ist natürlich ein wichtiges Ereignis für Japan. Wir werden den zusätzlichen Feiertag nutzen, um das Tokyo National Museum in Ueno zu besuchen. Du kennst den Weg noch vom letzten Mal?

Minako Klar. Wir nehmen die Yamanote von Hamamatsucho (JY28) bis Ueno (JY05), und schon…

… sind wir da!

Umeko Das Hyokeikan ist streng genommen nur ein Gebäude des Museums und darüber hinaus findet dort im Augenblick keine Ausstellung statt. Interessant zu erwähnen ist, dass es 1909 errichtet wurde und den westlichen Stil während der späten Meiji-Ära reflektiert.

Wir gehen allerdings vor allem ins Honkan, in dem sich die Ausstellungen zur japanischen Kunstgeschichte befinden. Das Gebäude selber ist von 1938, und das Design spricht, denke ich, für sich. Im Inneren finden wir auf zwei Ebenen alles über die Kunstgeschichte, begonnen in der Steinzeit bis hin zur späten Edo-Epoche, über die wir gestern schon einiges gelernt haben.

Minako Darf man fotografieren?

Umeko In der Mehrheit schon, allerdings sind einige Exponate Leihgaben, deren Besitzer Fotos untersagt haben.

Wir überspringen Jomon, Yayoi und Kofun und widmen uns direkt einer der wichtigsten Epochen der frühend japanischen Geschichte: dem Aufstieg des Buddhismus. Der Einfluss kam ursprünglich aus China und Korea herüber, fasste hier aber schnell Tritt. Das war während Asuka-Nara.

Minako Der Führer sagt, drüben im Toyokan wird mehr darauf eingegangen. Lass uns da gleich mal vorbeischauen.

Umeko Während Heian-Muromachi hatte die Religion sich schon so weit ausgebreitet, dass es bedeutende Oberhäupter in Japan gab. Diese Statue zeigt einen solchen.

Minako Ich schätze mal, wäre es Herrin besser gegangen, wären die Bilder nicht so sehr aus dem Zusammenhang gerissen. Es ist schwer, nachträglich davon zu erzählen, wenn der genaue Kontext fehlt. So können wir das ganze nur grob anhand des kostenlosen Führers einordnen.

Umeko Aber wir können die Kunstwerke für sich sprechen lassen.

Das hier ist die Spitze des Wanderstabs eines Buddha-Mönches. Den Ringen wurde nachgesagt, dass ihr Klirren die Geister fern hielt.

Von den Buddhisten bewegen wir uns nun an die Höfe der Elite. Dieser Spiegel zeigt deutlich, dass auch in den Häusern der Wohlhabenden zunehmend dekorative Elemente Einzug hielten.

Minako Verhindern all die Kraniche und Pflanzen nicht, dass man sich darin spiegelt?

Umeko Darum ist die Rückseite glatt poliert. Und auch eigentlich nicht die Rückseite, sondern die Vorderseite.

Während Kamakura-Muromachi wurde dann zen groß, und mit dieser Subströmung des Buddhismus erreichte das Schreiben von Gedichten und Malen solcher Szenen auf Wandbehängen aus Seide und Papier eine gewisse Popularität. Wir haben ja gestern bereits erfahren, dass Japan schon während der Edo-Epoche eine starke Alphabetisierung aufwies, während in Europa die Mehrheit der Menschen weder Lesen noch Schreiben konnten.

Minako Ich verstehe Kaligraphie nicht. Da hinten hängen Wandbehänge, deren Schriftzeichen selbst für mein ungeübtes Auge krumm und schief aussehen.

Umeko Genau das ist aber ja der Punkt: dein Auge ist ungeübt.

Minako Das hier kenne ich dafür aber: eine Samurairüstung, richtig?

Umeko Ja, aus dem Heian-Edo. Wir sind jetzt also ungefähr in der Epoche angekommen, die wir gestern im Fukagawa Edo Museum kennengelernt haben. Dazu gehört neben den passenden Schwertern…

… auch ein Sattel, denn viele Samurai waren berittene Kämpfer.

Minako Schon faszinierend, sich die Unterschiede in Rüstungen und Waffen in Abhängigkeit von ihrem Ursprungsort anzusehen. Schade dass man so viele der Rüstungen nicht fotografieren darf.

Umeko Aber natürlich respektieren wir den Wunsch des Museums und des eigentlichen Besitzers.

Minako Außerdem habe ich gerade gesehen, wie wieselflink die Sicherheits-Leute reagieren, wenn doch jemand gegen die Regeln verstößt. Ich glaube, der arme Delinquent wurde bereits des Landes verwiesen…

Umeko Jetzt übertreibst du aber.

Minako Die meisten der Kleidungsstücke aus der Rubrik noh und kabuki durfte man nicht fotografieren. Ich bin froh, dass es bei diesen Kimonos anders ist. Die Stickereien sind so wunderschön, es wäre fürchterlich, könnten wir das nicht teilen.

Umeko Wir sind übrigens immer noch mitten in der Edo-Periode. Das wird auch für die folgenden Bilder gelten, die einen Querschnitt durch das Erdgeschoss des Honkan zeigen. Erklärungen geben wir nur, wo nicht klar ist, was auf dem Foto zu sehen ist.

Minako Der Regen hat aufgehört, und wir sind mit Honkan und Toyokan durch. Was machen wir jetzt, Ume-chan?

Umeko Während Herrin und ihr Begleiter sich an der Tokyo Station um einige Dinge für den 24. und 25. Oktober kümmern, werden wir ein bisschen durch Ueno stromern und uns schließlich auf dem Weg zur Nippori Station die Yanaka Ginza ansehen.

Minako Das sieht aus wie eine ganz normale Einkaufsstraße. Wa soll denn daran jetzt so besonders…

Oooooh!

Umeko Laut Touristik-Information sind auf dieser Straße sieben aus Holz geschnitzte Katzenfiguren versteckt. Es zählen aber wirklich nur solche, die auch einigermaßen realistisch aussehen, denn in dieser Straße gibt es wirklich viele Katzenmotive!

Minako Na dann, worauf wartest du denn noch? Gehen wir auf die Katzenjagd! Guck, eine hab ich schon!

Umeko Oh je, was hab ich da nur wieder angerichtet. Also, liebe Leser, ich kümmere mich besser darum, dass unser Flausenhirn nicht verloren geht. Euch danke ich für eure Engelsgeduld mit unserer dauer-kränkelnden Herrin. Morgen geht’s ans Meer, so viel kann ich schon einmal verraten, aber auch der Bericht wird sich etwas verzögern. Bis dahin und sayounara! Wo ist dieser Wirbelwind jetzt schon wieder hingerannt…?!