Minako Ohaaaaaa~you, Minato-ku!

Umeko Und natürlich auch wie immer einen Guten Morgen von mir, liebe Leser.

Minako Heute fahren wir nach Yokohama! Selbst mit den Schnellzügen ist das eine ziemliche Weltreise. Mit der Yamanote geht’s erst einmal von Hamamatsucho (JY28) nach Shinagawa (JY25), und ab dort mit der Yokosuka-Sobu weiter nach Yokohama (JO13), und zu guter Letzt mit der Minatomirai bis Motomachi-Chukagai (MM06).

Umeko Vom Harbor View Park auf dem America Hill aus hat man einen guten Blick auf eine der vielen Brücken, die die einzelnen Bereiche des Hafen miteinander verbinden. Um hingegen die Skyline selber zu sehen…

… muss man die Position wechseln.

Minako Jetzt schummelt Herrin aber mit der Reihenfolge der Bilder. das hier war doch unten im Yamashita Park!

Umeko Das haben wir hiermit ja durchaus angemerkt. Der Harbor View Park ist aber meines Erachtens nach schöner. Es gibt hier einen oppulenten Rosengarten, und die Landschaft wird durch Wasserläufe wie diesen aufgelockert.

Minako Komm, ich helfe dir rüber. Die Klamotten sehen aber auch kompliziert aus, Ume-chan!

Umeko Danke, Schatz. Unser erster Stopp ist das Tin Toy Museum. Es ist klein, hat aber eine umfangreiche Sammlung aus Blechspielzeug.

Minako Die Betreiber sind auch superlieb. Ein richtiges kleines Herzensprojekt, und der Eintritt ist ebenfalls sehr günstig. Den Museumshund zu knuffeln ist übrigens zwingend Vorschrift!

Dieses Diorama hat es mir besonders angetan. Viele der Blechspielzeuge waren nicht gerade maßstabsgetreu, aber der Diner hier ist durchweg in seinem Maßstab. Richtige Americana, was irgendwie passend ist für America Hill.

Umeko Als nächstes geht es dann über den von dir schon erwähnten Yamashita Park ins Yokohama Doll Museum.

Minako Ah! Verwandschaftsbesuch erledigen, Zwinkersmiley.

Die hier scheint ja auch auf große Reise gehen zu wollen. Hat sogar ihre Puppe eingepackt.

Umeko Dieser Teil der Ausstellung befasst sich mit Ambassador oder Friendship Dolls. Das Konzept, eine Puppe auf Reisen um die Welt zu schicken, ist nämlich keineswegs neu. Diese Damen sind im Auftrag japanisch-amerikanischer Freundschaft weit gereist.

Minako Sogar mit eigenem Pass, wie süß.

Umeko Viele Puppen haben den zweiten Weltkrieg nicht überlebt. In Japan gibt es derzeit noch 334 der American Blue-eyed Dolls, und man betreibt großen Aufwand, sie zu erhalten.

Minako Irgendwie traurig. Puppen, die eine japanisch-amerikanische Freundschaft symbolisieren, gehen verloren in einem Krieg, der Japan und die USA teilt.

Umeko Ab hier ist die Ausstellung zweigeteilt. Linkerhand siehst du die Puppen, die sich in den einzelnen Gebieten Japans entwickelt haben…

… während die rechte Seite im Zeichen internationaler Puppen steht.

Minako Die Unterschiede sind schon faszinierend. Von simpel bis komplex ist wirklich alles dabei. Und während man bei einigen Puppen tatsächlich glaubt, dass sie zum Spielen gedacht sind…

… wie zum Beispiel bei dieser Kinderpuppe amerikanischer Ureinwohner, die auf ihr Papoose gebunden ist…

… will man das bei dieser Schönheit aus China gar nicht so recht glauben.

Umeko Wusstest du übrigens, dass Papoose ein Lehnwort ist? In der Sprache der Narragansett heißt „papoós“ einfach nur „Kind“.

Minako Puppenhäuser scheint es dafür auch in vielen Kulturkreisen gegeben zu haben. Es wirkt so viel nüchterner als westliche Puppenhäuser aus der gleichen Ära, und trotzdem irgendwie vollständig. Fast wie ein Diorama und nichts, mit dem ein Kind spielen würde.

Umeko Wir kommen jetzt auch zu den Artistic Dolls. Da verwischt die Linie zwischen Spielzeug und Kunst endgültig. Diese einzigartigen Werke gibt man eigentlich keinem Kind in die Hand. Sie zeigen das künstlerische Können ihrer Schöpfer und sind üblicherweise Unikate.

Minako Ich verstehe, was du meinst. Aber sag mal…

… bist du sicher, dass sie nur eine Puppe ist?

Umeko Wer kann das heutzutage schon noch so genau wissen?

Minako Ume-chan!

Umeko Keine Angst, ich mache nur Spaß. Wir kommen jetzt auch zum gestern angekündigten Besuch im Marinemuseum beim Pier der Nippon Maru.

Minako Warum ausgerechnet hier Fotografieren wieder verboten ist, will mir einfach nicht in den Sinn. Na ja, dann muss ich den Lesern wohl schnell erzählen, dass das Museum sich vor allem der Geschichte des Hafen von Yokohama widmet – von den ersten Anfängen über den Erstkontakt mit den „Black Ships“ der Amerikaner, das große Kanto-Beben, den Wiederaufbau, die US-Besetzung während des Kriegs und den Wandel des Hafens zu der Drehscheibe für Güter und Passagiere, die er heute ist. Wenn man sich für Seefahrt im Allgemeinen und diesen Hafen im Speziellen interessiert, ist das Museum auf jeden Fall einen Blick wert.

Umeko Und du hast bereits ein Modell und einige Zeitdokumente der Hikawa Maru gesehen, die liegt nämlich als Museumsschiff im Hafen vor Anker und ist unser nächstes Ziel.

Minako Wenn ich das richtig verstanden habe, war sie sowohl Passagierdampfer als auch schneller Frachter und von 1930 bis 1960 im Dienst. Ich habe oben im Empfangsbereich des Schiffes Tafeln gesehen, denen zufolge sie während des zweiten Weltkriegs auch als Lazarettschiff genutzt wurde. Nur deshalb hat sie den Krieg wohl auch überstanden; ihre beiden Schwesterschiffe wurden von den Amerikanern versenkt.

Umeko So ist Krieg nun einmal. Er verdirbt alles, dem auch nur der kleinste Zauber inne wohnt, und das alles für kleinliche Interessen und verletzten Stolz, für ein wenig Macht oder etwas mehr Land, Geld und Rohstoffe, die im großen Rahmen überhaupt keine Bedeutung haben.

Für das Museum wurde das Schiff aber so weit wie möglich wieder in den Urszustand versetzt. Zum Beispiel bei dieser Kabine Erster Klasse.

Minako Wenn ich mir vorstelle, wochenlang auf See unterwegs zu sein, dann wünsche ich mir auch einen gewissen Komfort. Wurde bestimmt trotzdem ziemlich langweilig.

Umeko Charlie Chaplin schien anderer Ansicht zu sein. Er fuhr damals eigentlich immer auf der Hikawa Maru, nicht zuletzt wegen der exzellenten Küche und der Art Deco-Aufmachung. Das mit dem Komfort galt übrigens nur in der ersten Klasse. Die dritte Klasse befand sich unten auf Höhe des Maschinenraums. Dort teilten sich acht Reisende eine Kabine, und die Nähe zu den Motoren war sicher auch kein Vergnügen. Ich kann mir gut vorstellen, dass es hier unten eng, laut und heiß war.

Minako Na ja, ansonsten ist es halt ein Passagierschiff. Kennste eins, kennste alle.

Umeko Wenn du dich da mal nicht irrst, Schatz.

Minako Ein Hausschrein auf der Brücke!

Umeko Das japanische Wort ist kamidana. Sie sind häufig kleine Nachbildungen real existierender Shinto-Schreine. Das Strohseil über dem kamidana nennt man shimenawa, und die Papierbänder heißen shide. Opferung und Gebet am Hausschrein folgen denselben Regeln wie im großen Vorbild. Was mich zu der Frage bringt, ob die Helfer hier im Museum ebenfalls die erforderlichen Opfergaben darbringen. Der kamidana sieht gut gepflegt aus, also vermutlich ja.

Minako Der feste Boden hat uns wieder, und schon stehen wir vor dem nächsten torii.

Umeko Ja, aber dieses markiert den Eingang zu Chinatown und ist streng genommen kein torii im Wortsinn. Das Viertel ist heute, am Sonntag, natürlich hoffnungslos überlaufen, viele nutzen das langsam aufklarende Wetter, um hier in den zahlreichen Lokalen einzukehren. Wir gehen nur mal durch, um zur Haltestelle der Minatomirai zu gelangen.

Außerdem will ich dir den Anblick des Tempels hier im Viertel nich vorenthalten.

Minako Das ist schon etwas anderes als die shintoistischen und buddhistischen Schreine, die man sonst so in Japan sieht, das stimmt. Das Gebäude „kitschig“ zu nennen, wäre zwar respektlos, aber kommt der Sache einfach am nächsten.

Umeko Das war es dann allerdings mit den Attraktionen für heute auch schon. Kaum hatten wir den langen Weg zurück nach Minato-ku ins Hotel geschafft, fiel Herrin nämlich ins Koma, um den verlorenen Schlaf aufzuholen.

Minako Macht aber nichts, finde ich. Wir waren heute immerhin in vier Museen und haben mehrere Kilometer zu Fuß zurückgelegt, das ist schon ziemlich beachtlich.

Umeko Anzumerken sei übrigens noch, dass wir die Reihenfolge hier im Bericht ein kleines Bisschen vertauscht haben. Wenn unsere Leser unseren Weg also auf einer Karte nachzuverfolgen versuchen, mögen sie sich bitte nicht über das sonderbare Zick-Zack-Muster wundern, das dabei entsteht.

Minako Auf jeden Fall haben wir uns eine Pause nun redlich verdient. Morgen ist Herrins „Ich“-Tag, den sie alleine bestreiten muss, und ich habe gehört, dass sie ein paar Läden überall in Tokyo abzuklappern gedenkt.

Umeko Falls jemand in der geneigten Leserschaft noch Vorschläge für Sehenswürdigkeiten oder Läden hat, die sich im Großraum Tokyo befinden und die es zu besuchen lohnt, sind unsere Ohren dafür natürlich offen. Ansonsten wünschen wir an dieser Stelle sayounara und gute Nacht.

Minako Bis morgen!