Briefe aus Tokyo, Tag 9 (10.11.15)

Stitch: Kleine Puppenmädchen packen, also Stich schreibt Bericht.

Umeko: Machst du das auch ordentlich, du Fellknäuel?

Stitch: Ha!

Umeko: Wehe, wenn nicht. Dann hetze ich das Tanuki auf dich.

Stitch: Ist Tempel in Wald.

Umeko: Wirklich? Das ist der Seishouji Tempel in Minato, vielleich einen halben Kilometer zu Fuß vom Hotel entfernt. Er liegt in der Nähe des NHK-Museums, das wir eigentlich besuchen wollten, leider hatte es aber wegen Renovierung geschlossen.

Stitch: Ha. Tempel.

Ist Zug.

Minako: Das übernehme ich, kümmer du dich um die Disney-Becher, Ume-chan. Das ist die Ginza Line. Mit ihr sind wir vom Seishouji nach Ginza gefahren. Und ganz ehrlich, so langsam kann ich bei „Wetten, dass..?“ mitmachen. Wetten, dass ich alle Stationen im Streckennetz Tokyos an der Musik erkenne, die gespielt wird, wenn sich die Türen schließen?

Stitch: Ha. Musik.

Umeko: Ich halte das nicht aus. Stitch, weiterpacken. Minako, Jacke, mitkommen. Wir gehen jetzt zum Kyu-shiba-rikyu Garten.

Minako: Ich kann einfach nicht glauben, dass dieser Garten nur einen Steinwurf von der S-Bahn-Station entfernt liegt, an der wir immer in die Yamanote einsteigen.

Umeko: Der Garten ist ein Kulturerbe und einer der ältesten noch erhaltenen Gärten, die in der Edo-Zeit einem daimyo, einem Fürsten gehörten.

Er ist in verschiedene Themenbereiche unterteilt und wird im Zentrum vom Dai-Sensu dominiert, ein ungefähr 9.000 Quadratmeter großer künstlicher See, der damals eine Anbindung zum Meer hatte und darum den Gezeitenhub mitmachte.

Minako: Ja, nur heute ist das hier eindeutig Süßwasser, denn ich habe vorhin Koi gesehen. Die sind Süßwasserfische.

Umeko: Gar nicht schlecht, Minako. Du überraschst mich immer wieder. Komm, wir stellen uns eine Weile im Azumaya unter, bis der Regen ein wenig abgeebbt hat.

Minako: Weißt du eigentlich, wie sehr ich es an dir liebe, wenn du mir Sachen erklärst, ohne mich dabei wie ein kleines blondes Dummchen dastehen zu lassen? Du behandelst mich mit Respekt, das freut mich immer.

Umeko: Manchmal fällt mir das schon ein wenig schwer, muss ich gestehen. Aber weißt du, wie das Plüschviech sagen würde, du bist letztendlich immer noch ohana für mich. Und damit werde ich dich beschützen – wenn es sein muss, bis zum letzten Atemzug.

Minako: Das hast du schön gesagt, Ume-chan. Die Wortwahl macht mir zwar Angst, aber ich freue mich auch.

Du bist so still, Ume-chan.

Umeko: Ist schon in Ordnung, Minako. Mach dir keine Gedanken. Ich bin nur ein wenig nachdenklich.

Minako: Du wirst Japan vermissen, wenn wir wieder in Deutschland sind, nicht wahr? Weil es deine Heimat ist?

Umeko: …manchmal bist du einfach zu schlau.

Minako: Es wird schon dunkel, und der Regen hat nachgelassen.

Umeko: Ja. Der Park wird bald schließen. Lass uns aufbrechen.

Minako: Lass uns Udon Soba essen gehen. Ich lade dich ein. Was immer Stitch für ein Chaos angerichtet hat, wird nicht weglaufen.

Umeko: Einverstanden. Machen wir Schluss für heute. Ein letzter Tag verbleibt uns ja noch.

Minako: Also dann, liebe Leser. Hier gibt’s nichts mehr zu sehen. Den Abend wollen Ume-chan und ich für uns – ihr versteht das sicher. Bis morgen!

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