Briefe aus Tokyo, Tag 2 (03.11.15)

Umeko: Konban wa, liebe Mitlesende…

Minako: …und natürlich auch von mir ein herzliches Hallo an alle, die unsere Erlebnisse verfolgen!

Umeko: Ehe wir anfangen, muss ich mal eben zweierlei loswerden. Erstens ist unser heutiger Bericht sehr bildlastig, also seht es uns nach, wenn das Laden ein wenig dauert. Und leider gibt’s von uns auch eher wenig zu sehen, aber ich denke, die meisten von Euch sind vor allem wegen der Bilder aus Japan hier. Und zweitens…

…muss ich mal sagen, dass Herrins SUICA wirklich eine tolle Sache ist. Wer öfter nach London fährt, kennt das Prinzip von der Oyster Card: Es ist eine Prepaid Debit Card, mit der man die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen, in vielen Kombinis bezahlen und fast aus allen Automaten Getränke ziehen kann. Das reduziert den Bedarf an Kleingeld und ist superpraktisch.

Minako: Und wo geht’s heute hin mit dieser tollen SUICA und… warte, ich hab’s schon. Der Zug hat einen hellgrünen Streifen, also ist das die Yamanote, richtig?

Umeko: Richtig. Und wir fahren nach Ueno ins Museum.

Minako: Pööh. Museen sind doch langweilig.

Umeko: Dieses hat Dinosaurier.

Minako: Worauf wartest du noch! Lass uns endlich fahren!

Umeko: Na? Weißt du, was das heißt?

Minako: Dass wir in einer der führenden Walfangnationen unsere Planeten sind?

Umeko: Ich bin gerade sehr froh, dass die meisten hier uns nicht verstehen.

Minako: Ach komm schon. Wer zuletzt beim T-Rex ist, ist ein Slowpoke!

Umeko: Während Minako sich vom T-Rex verputzen lässt, erzähle ich euch lieber ein bisschen was über die Ausstellung. Dieser Teil beschäftigt sich mit der Evolution, von den ersten Aminosäuren in der Ursuppe über die Explosion des Lebens im Meer, die Pflanzen, die Ammoniten und diese Trilobiten. Wenn man sich das in der richtigen Reihenfolge anschaut, muss man an den Anhängern der Schöpfungsmythen wirklich zweifeln… Jedenfalls wurde das Leben immer komplexer und komplexer, bis wir schließlich…

…zu den Dinosauriern kommen, wie zum Beispiel dieses Prachtexemplar eines Triceratops. Das Foto vom T-Rex könnt ihr in dem Bericht von 2012 sehen, zusammen mit weiteren interessanten Informationen über das Museum. Ich muss mal eben Minako einfangen – zum Glück ist sie zwischen all den kleinen Japaner-Kindern mit ihrem Blondschopf so auffällig wie ’ne lila Kuh auf der Alm.

Minako: Poah, ist das voll hier!

Umeko: Es ist Feiertag, und der Eintritt ist frei. Da bist du eben nicht das einzige kleine Kind, das Dinosaurier gucken will. Dabei wird’s jetzt eigentlich erst richtig spannend, denn nachdem die Dinos verschwunden waren, war die Bühne frei für den Menschen!

Minako: Hallo, Lucy!

Umeko: Australopitecus. Mitglied der Familie der Hominiden und Urmutter der Menschheit. Vermutlich Jäger und Sammler, entwickelte sich dann aber weiter, schöpfte Kultur, zähmte das Feuer, entdeckte den Ackerbau und schließlich…

…die Sesshaftigkeit. Von hier aus ging die Entwicklung dann rasend schnell.

Wir vermaßen die Welt…

…machten uns die Mechanik zunutze…

…und entwickelten die Wissenschaftliche Methode, mit deren Hilfe wir die Geheimnisse unserer Welt systematisch entschlüsselten.

Minako: Das hier habe ich nicht verstanden.

Umeko: Das ist ein Foucaultsches Pendel. Mit ihm lässt sich die Erdrotation mithilfe der Corioliskraft…

Minako: Halthalthalt! Zu viele schwere Worte! Wer oder was verbirgt sich hinter dem japanischen „fuko“?

Umeko: Ach, Minako. Foucault war Franzose. Ich erklär’s dir später. Jetzt lass uns erst einmal die Menschheitsgeschichte weiter durchsprinten.

Die Naturgesetze erchlossen uns die Geheimnisse der Mathematik und des Computers…

…und ermöglichten uns den Flug zu den Sternen, aber auch eher obskure Entwicklungen, wie diese Postrakete.

Minako: Willst du mir erzählen, dass die Post mal versucht hat, Briefe mit Raketen zu befördern?

Umeko: Genau das.

Minako: In was für einer Welt lebe ich eigentlich, in der das keine erfolgreiche Entwicklung war? Was kam dazwischen? Das iPhone?

Umeko: Ich denke mal, die Leute waren einfach keine Fans davon, ihre Post explodieren zu sehen.

Ganz daneben lagst du aber nicht, denn am Ende dieser langen Geschichte stehen wir, mit beiden Beinen fest verwurzelt im Informationszeitalter, in dem das Wissen der Menschheit nur einen Fingerzeig entfernt liegt.

Minako: Oder Katzenvideos. Apropos Katzen, da hinten sehe ich Tiere! Komm schon! Da wird’s endlich wieder spannend!

Die hier mag ich persönlich ja viel lieber als den ganzen technischen Kram.

Umeko: Ja, aber noch lieber wären sie mir auf einer Blumenwiese und ohne eine Nadel durch den Bauch.

Minako: Hmm… Ob wir es für Herrin mitnehmen sollen, als Plüschtier?

Umeko: Sie hat schon ein Zebra.

Minako: Man kann nie genug voodoo-zaubernde Zebras besitzen.

Umeko: Komm jetzt, sonst stell ich dich zu der gruseligen mechanischen Puppe!

Minako: Tschüss, kleines Zebra! Es war schön bei Ieps! Wolf! Aaaah! Frauen und Minakos zuerst!

Umeko: Minako, warte! Der ist doch ausgestopft!

Und? Immer noch der Ansicht, dass Museen langweilig sind?

Minako: Okay, nicht alle, ich gebe es zu. Was machen wir jetzt?

Umeko: Wir nehmen die Yurikamome und fahren über die Rainbow Bridge rüber nach Odaiba. Das Wetter brüllt nach Strand.

Minako: Man. Das ist schon echt verdammt schön hier. Und das Wetter ist Bombe.

Umeko: Stimmt. Da weiß man gar nicht, was man als nächstes angucken soll. Also, liebe Leser, ihr entschuldigt uns beide. Wir müssen den nächsten Tag planen. Bis morgen und Sayonara!

Minako: Vielleicht hätten wir das Zebra ja doch…

Umeko: Ach, Minako…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.