Briefe an Minako (5)

Tokyo, den 12. März 2012

Minako! Herrin ist vollkommen übergeschnappt! Du glaubst nicht, was sie heute umgetrieben hat! Die Göttin stehe uns bei! Sie… Nein, halt.

Bitte entschuldige, dass ich für einen Augenblick mein Decorum vergessen habe. Gib mir bitte einige Augenblicke, um durchzuatmen, und ich werde dir der Reihe nach berichten, was heute alles vorgefallen ist.

Unser Tag begann mit strahlendem Sonnenschein, und bis zur Dämmerung am Abend sollte uns klarer, blauer Himmel bei unseren kurzen Ausflügen begleiten. Aus diesem Grunde führte uns unsere erste Fahrt zunächst mit der Yamanote zur Tokyo Station und von dort weiter mit der Keiyo Line bis Kasai-rinkaikoen. Hier gibt es direkt an der Bucht einen kleinen Park namens Kansai Rinkai Park, den man in den 60ern angelegt hat, um die letzten Reste unberührter Küste in der Bucht zu erhalten.

Auf dem Bild ist es nicht zu sehen, aber es war so klar, dass wir von der Aussichtsplattform im Park die Gebirgslinie mit dem Fuji-san sehen konnten.

Wilde Katzen leben in dem Park, der mit kleinen Sportanlagen und einem Thermalbad für die Bevölkerung des nahen Stadtteils aufwartet. Am Strand selber fanden Bauarbeiten statt, um die Fahrrinnen vor dem Versanden zu schützen. Auch hier sind große Teile des Landes künstlich mithilfe von gomi angelegt worden.

Außerdem gibt es ein 111 Meter durchmessendes Riesenrad, das bei dieser Witterung einen großartigen Überblick über das Land bietet.

Die Station der JR East liegt zwischen den Fahrspuren des Express Highways und zwischen Kansai und dem Park.

Folgt man der Bahnlinie mit dem Blick nach Westen, sieht man, dass die Stadt keine zwei Kilometer entfernt ist.

Japaner lieben das Golfspielen. In Tokyo gibt es aber nur Platz für diese Anlagen, in denen viele Golfer gleichzeitig ihren Abschlag üben können.

Im Osten liegt das Meeresaquarium und dahinter, nahe Maihama, das Tokyo Disney Resort. Vom Bahnhof aus kann man die riesigen Hotelkomplexe und das Schloss im Magical Kingdom erkennen.

Über diese Brücke verkehrt die Keiyo Line und verbindet Kasai mit der Innenstadt.

Sobald der Boden uns wieder hatte, setzten wir unseren Fußweg durch den Park fort und kamen schließlich, nach zwei Stunden, wieder an der Bahnstation an. Nach einer kurzen Stärkung aus den unzähligen Automaten, die in Tokyo wirklich an jeder Straßenecke zu finden sind, ging es zurück nach Akihabara, um den zweiten großen Shopping-Tag zu beginnen. Dem schönen Wetter angemessen, herrschte in den Straßen von Electronic Town geschäftiges Treiben, und neben den Anpreisern der Maiden Cafés trieben sich auch vereinzelt Gothic Lolitas in den Straßen herum.

Leider besteht in den meisten Geschäften in Akihabara Fotografier-Verbot, und so kann ich dich auch nicht mit Bildern aus der Dollfie Dreams-Ausstellung versorgen, die wir in einem gut versteckten Ladenlokal entdeckten. Leider dienten die Räume tatsächlich nur der Ausstellung, und es gab nur einige wenige Ersatzteile und Kleidungsstücke. Mehr Zeit vorausgesetzt, hätte Herrin sicher eine Volks SD oder MSD vorbestellen können – aber das setzt nun einmal eine gewisse finanzielle Bonität voraus.

Immerhin jedoch habe ich auf Herrins Kamera noch drei Detailaufnahmen von den Gesichtern der lebensgroßen Göttinnen-Statuen gefunden. Vielleicht tröstet dich das ja ein wenig darüber hinweg, keine Dollfies zu sehen.

Nachdem Herrin und ihr Begleiter eine locker fünfstellige Summe in den Geschäften gelassen und auch eine winzige Fetishcosplay-Abteilung in einem siebenstöckigen Erotik-Geschäft voller Hentai, Sexspielzeug, Magazinen und Unterwäsche gefunden hatten, ging es mit dem Zug über Asakusa-bashi noch ein weiteres Mal nach Asakusa.

Von Asakusa kann man den neu errichteten Tokyo Tree Tower sehen, der Tokyo Tower in den Schatten stellen soll…

…sowie den „goldenen Scheißhaufen“ auf dem Gebäude der Asahi Brauerei, der eigentlich eine Flamme oder ein Wassertropfen sein soll.

Diesmal besuchten Herrin und ihr Begleiter den Bazar, der zum Tempel führt, sowie die Einkaufsstraßen, um noch einige Andenken für Freunde zu finden. Asakusa ist im Vergleich zu den Kernbezirken regelrecht ruhig und klein und viele der Geschäfte werden von sehr alten, lange eingesessenen Japanern geführt. Früher war Asakusa ein bedeutendes Geiko-Viertel, und noch heute gibt es eine geringe Anzahl Geiko, die im Viertel aktiv sind. Leider war uns das Glück nicht hold, Mitglieder dieses sehr ehrenwerten Berufsstandes zu Gesicht zu bekommen.

An diesem Punkt hatten Herrin und ihr Begleiter mehrere Kilogramm an Andenken eingekauft und geschultert, und so beschlossen sie, zunächst mit der Asakusa Line bis Daimon zu fahren und die eingekauften Schätze ins Hotelzimmer zu bringen. Danach machten sie sich noch einmal auf die Jagd, um für ein kleines Abendessen zu sorgen, denn der Einkaufsbummel hatte sie redlich hungrig gemacht.

Da es bereits dämmerte, war Tokyo Tower hell erleuchtet und erstrahlte abwechseln in orangefarbenen und weißen Streifen.

Liebste Minako-chan, vermutlich brennst du nun bereits darauf, zu erfahren, welche Heldentat von Herrin mich dermaßen in Aufregung versetzen konnte. Nun, ich empfehle, dass du Marie und Suleika dazu anhältst, den Schreibtisch von Herrin etwas umzuräumen, denn wenn wir am Donnerstag zurückkehren, dann werden wir etwas Platz brauchen.

Ja, das ist, wonach es aussieht. Eine weitere Tüte mit Zubehör wartet ebenfalls darauf, ausgepackt und verwendet zu werden.

Liebe Minako-chan, ich werde an dieser Stelle schließen. Ich muss dich noch ein letztes Mal darum bitten, uns die Daumen zu drücken, dass das Wetter so angenehm bleibt wie es gegenwärtig ist. Morgen wollen wir zum Mitake-san fahren und uns den Berg und die Gegend darum herum ansehen. Ich bin sicher, dass es dort wieder einiges zu entdecken gibt.

Schlaf gut, geliebte Minako-chan.
Deine Umeko

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